Heide Kurier, 10. August 2009

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Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft stellt neues Programm vor

SOLTAU-FALLINGBOSTEL (jul). Eigentlich wollte Bettina K. (Name geändert) während der Elternzeit ein Fernstudium im Bereich der Wirt­schaftswissenschaften beginnen. Mit dem Wirtschaftsabitur und einer kaufmännischen Ausbildung in der Tasche, erschien ihr dieser Weg na­heliegend. Nach einem Beratungsgespräch bei der Koordinierungsstelle Frau & Wirtschaft ist sie nun seit kurzem Studentin der Pfiegewissen­schaften und hat beste Chancen, später eine leitende Position im Ge­sundheitssektor einzunehmen. „Oft stellt sich für Frauen nach der El­ternzeit die Frage: Zurück in den alten Beruf oder eine völlige Neuori­entierung wagen?", so Karin Thorey, Leiterin der Koordinierungsstelle Frau & Wirtschaft Heidekreis. Zu den Aufgaben der Projektleiterin und ihrer Mitarbeiterin Sabine Prenzel zählt vor allem die Beratung von Frauen (aber auch Vätern), die nach der Familienphase wieder in den Beruf einsteigen oder sich weiterbilden wollen. So bietet Frau & Wirtschaft im neuen Programm unter dem Titel „Potentiale entdecken - Chancen erkennen" für das zweite Halbjahr 2009 neben 26 verschiedenen Semi­naren und Terminen für individuelle Einzelberatung jetzt auch eine Vor­tragsreihe mit acht Referaten an.

Vielen Frauen fällt der Schritt zurück ins Arbeitsleben schwer, oft handeln sie unkoordiniert, spontan und verbauen sich so häufig den Weg zum gelungenen Wiederein­stieg in den Beruf. „Unsere Semi­nare sollen Unsicherheiten rund um die Rückkehr in die Arbeitswelt ausräumen", erklärt Projektmitarbeite­rin Sabine Prenzel, Deshalb bietet die von der VHS getragene Koordi­nierungsstelle Frau & Wirschaft Hei­dekreis Seminare zum Thema Be­werbung und zur Erweiterung der sogenannten „Soft Skills" an. Diese reichen von Kursen zur Wahl der richtigen Kleidung für Bewerbungs­gespräche über das zeitgemäße Verfassen von Lebensläufen bis hin zum Erlernen selbstsicheren Auf­tretens. Mütter, die sich jahrelang nur um die Familie gekümmert ha­ben, verlernen oft die innere selbstbewußte Haltung und das Vertrauen in eigene Stärken. „Da können sie noch so gut ausgebildet sein, es fehlt einfach an Mut", berichtet Ka­rin Thorey.

In den individuellen Gesprächen nehmen sich die Beraterinnen für je­de Frau mindestens eine Stunde Zeit, um mit ihr einen effektiven Plan für die Berufstätigkeit oder Weiter­bildung auf die Beine zustellen. Rund 50 Prozent der Beratungswil­ligen sind unter 35 Jahre alt. Viele Frauen, die in die Sprechstunde kommen, sind aber weitaus älter und auf der Suche nach Selbstver­wirklichung abseits von Herd und Kinderzimmer oder - und das weit-aus häufiger: ganz schlicht nach ei­ner Verdienstmöglichkeit. Denn:
„Die klassische Versorgerehe exi­stiert nicht mehr. Das müssen wir besonders jungen Mädchen ver­ständlich machen. Und damit ist auch ein Schulabschluss wichtiger denn je, ebenso wie die Wahl eines zukunftssicheren Berufs, beispiels­weise in der Altenpflege", so Karin Thorey. Mit ihrer Präventionsarbeit an den Berufsbildenen Schulen in Soltau versucht die Projektleiterin speziell junge Mütter zu erreichen. Sie werden über Aufstiegschancen, Arbeitsplätze und auch spätere Ver­dienstmöglichkeiten aufgeklärt. „Mit dem Gehalt einer allein verdienenden Arzthelferin oder Friseurin ist es unmöglich, Wohnung, Auto und den Unterhalt für ein Kind zu finanzie­ren, das beachten die meisten Mädchen bei der Berufswahl nicht", erläutert Karin Thorey.

Bei der Beratung ist es unerheb­lich, über welche Vorbildung die Frauen verfügen, ob sie ein Studi­um abgeschlossen oder ohne Abschluss die Schule verlassen haben. Oft zeigen sich, wie im Fall Bettina K., ganz neue Wirkungskreise auf: So verlangt der Bereich der Seni­orenbetreuung - bedingt durch den demografischen Wandel - immer stärker nach qualifiziertem Perso­nal. Hier ergibt sich ein breites Spektrum an Berufen und Joban­geboten, von der Pflegehelferin bis hin zu Management- und Verwal­tungspositionen. Es gibt also für fast jede Frau mit jedem Bildungsgrad eine passende Stelle. Einige Frauen werden jedoch entgegen Ihren beruflichen Interessen zu „Pflege­dienstleisterinnen". „Es hat nicht jeder Kinder, aber jeder ist selbst Kind und hat Eltern", merkt Karin Thorey an. Wenn die Kinder erwachsen und aus dem Haus sind, haben Frauen neben ihrer beruflichen Belastung oftmals die häusliche Pflege der ei­genen Eltern zu meistern. „An die­ser Stelle ist es wichtig, neue We­ge für familienunterstützende Ar­beitsbedingungen zu schaffen, da nicht nur Frauen mit kleinen Kindern auf ein gewisses Entgegenkommen der Arbeitgeber angewiesen sind", so Thorey. Unter dem Titel „Pflege und Erwerbstätigkeit" zeigen Refe­renten Lösungen für Betroffene auf. Vier kostenfreie Vorträge zum The­ma „Frauen in der Arbeitswelt" gibt es in Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsbeauftragten aus Schneverdingen, Agnes Prenge­mann. Erster Termin ist der 11. Au­gust um 20 Uhr im Rathaus zum Thema „Bewerbung - aber richtig.

Für Frauen, die an einem Wiedereinstieg interessiert sind, oder die Elternzeit für Fortbildung nutzen möchten, gibt es auch in diesem Jahr ein reichhaltiges Programm mit Angeboten zur beruflichen Weiter­bildung. Die Seminare konzentrie­ren sich unter anderem auf Beruf­sorientierung und -rückkehr, Kommunikation, Bewerbungstraining, Existenzgründung und Qualifizie­rung. Viele Frauen können außerdem bis zu 50 Prozent der Kursge­bühren erstattet bekommen. Wich­tig ist, den Förderantrag vor Semi­narbeginn zu stellen. Sofern Kurse, die nicht von Frau & Wirtschaft angeboten werden, wichtig für den Be­rufsweg sind, können Frauen auch dafür Zuschüsse beantragen.
Einzelgespräche bietet Karin Tho­rey im Nordkreis jeweils einmal im Monat in Soltau, Schneverdingen und Neuenkirchen an. Ganz neu ist eine Beratung in der Soltauer Kita St. Johannis (erstmals am 13. Ok­tober). Weitere Informationen gibt es unter Telefon (05161) 485621 sowie
im Internet unter: www.frau-und­-wirtschaft-heidekreis.de.
 

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