Heide Kurier, 16. Januar 2011

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JETTEBRUCH (mwi). Druckfrisch liegt es vor, das Weiterbildungsprogramm der Koordinierungsstelle (Koo-Stelle) "Frau & Wirtschaft Heidekreis" für das erste Halbjahr 2011. Grund genug für Koo-Stellenleiterin Karin Thorey und ihre Mitarbeiterin Sabine Prenzel, nicht nur auf die neuen Angebote hinzuweisen, sondern auch Bilanz für 2010 zu ziehen. Details dazu erläuterten sie am vergangenen Freitag im Gasthaus Meyer in Jettebruch. Eng damit verknüpft ist auch die Arbeit des Vereins "Überbetrieblicher Verbund Familie & Beruf" (ÜBV), denn dessen Geschäftsführung liegt bei der Koo-Stelle, also ebenfalls bei der Soltauerin.

Angesiedelt ist die Koo-Stelle bisher bei der Volkshochschule (VHS) Heidekreis und wird zu 75 Prozent über EU-Mittel und zu 25 Prozent über den Landkreis Soltau-Fallingbostel finanziert. Ihre Aufgabe ist es, arbeitssuchende Frauen etwa nach längerer familienbedingter Pause den Wiedereinstieg in den Beruf zu erleichtern, zu ihrer Weiterqualifizierung beizutragen oder sie bei der Existenzgründung zu unterstützen.

Dazu sollen im ersten Halbjahr 2011 insgesamt 22 Seminare und neun Vorträge dienen. Frauen, die dieses Angebot nutzen möchten, können dabei unter Umständen finanzielle Hilfe in Anspruch nehmen. Dazu Thorey: "Teilnehmen könnnen generell alle Frauen. Aber Berufsrückkehrerinnen, die kein Arbeitslosengeld I bzw. II erhalten, können speziell über die Koordinierungsstelle gefördert werden. Erwerbstätige, die einen Mini- oder Midi-Job bis 800 Euro brutto nachgehen, und Mitarbeiterinnen von ÜBV-Betrieben können mit einem Zuschuss von bis zu 50 Prozent der Kosten, maximal aber 100 Euro je Seminar rechnen. Förderungen kann es grundsätzlich nur für Frauen aus dem Landkreis Soltau-Fallingbostel geben.

Das Angebotsspektrum der verschiedenen Veranstaltungen ist breit und reicht von "Berufsorientierung und -rückkehr" über "Existenzgründung" und "Frau und Bewerbung" bis hin zu "Umgangsrecht, Unterhaltsrecht". Dabei machen Thorey und Prenzel vor allem auf einige neue Programmpunkte aufmerksam, so beispielsweise "50 Plus: Von der Kunst des gelingenden Alterns" oder "Erfolgsfaktor Frau: Management-Training für weibliche Führungskräfte".

Weiterer wichtiger Bereich sind regelmäßige Gesprächsrunden ambitionierter "internationaler Frauen" mit dem Schwerpunkt "Beruf und Qulifikation". Dieser Personenkreis ist das "Sorgenkind" der Koo-Stelle: "Bei uns sind rund 30 Frauen mit zwölf Nationalitäten, die häufig als Hilfskraft arbeiten müssen, weil ihr Studium oder Beruf hier nicht anerkannt wird. Das ist ein großes Problem", erläutert Thorey. Und Prenzel: "Es herrscht ein großes Kompetenzwirrwar, welche Stelle für welche Anerkennung zuständig ist, wenn denn eine solche Anerkennung überhaupt möglich ist. Unsere Gesprächsrunde "internationaler Frauen" soll auch dazu dienen, dass sich die Betroffenen untereinander stärker vernetzen, denn jede macht ihre Erfahrungen, von denen die anderen dann profitieren können. "Vor allem angesichts des vielbeschworenen Fachkräftemangels sei ihr diese Situation ein Rätsel, so Thorey.

Interessant ist darüber hinaus auch das Phänomen, dass sich immer mehr ältere Frauen an die Koo-Stelle wenden. Dazu die Leiterin: "Die Anzahl der über 45jährigen steigt. Und auch Frauen, die eigentlich schon in Rente sind, kommen verstärkt zu uns, weil sie dazuverdienen müssen."

In den beiden Halbjahren 2010 hat die Koo-Stelle insgesamt 31 Seminare und Vorträge mit zusammen 356 Teilnehmerinnen tatsächlich umgesetzt - einige weniger, als es geplant war. "Das hängt damit zusammen, dass das Einzelcoaching immer stärker nachgefragt wird, wodurch dann für manche Seminaren nicht mehr genügend Teilnehmerinnen zusammenkommen. Ursache dafür dürfte sein, dass dahinter Einzelschicksale stehen. Alleinerziehende etwa, die nach neuer Rechtsgrundlage wieder arbeiten müssen, wenn ihr Kind drei Jahre alt ist, wollen ihre persönliche Situation oft nicht im Rahmen eines Seminars erörtern. Wir glauben allerdings, dass unsere Seminare auch für diese Frauen fruchtbarer sind."

Genau messen lässt sich der Erfolg dieser Arbeit allerdings nicht. Zwar weist die Leiterin darauf hin, "dass im vergangenen Jahr 16 Existenzgründungen über uns gelauften sind, aber wir wissen am Ende oft nicht, ob und wie lange diese Selbstständigkeit Bestand hat. Das gilt auch für Beschäftigungsverhältnisse, die Frauen eingehen. Grund dafür ist, dass sich diese Frauen bei uns nicht zurückmelden müssen. Den Erfolg der Seminare selbst klären wir allerdings bei den Teilnehmerinnen mit speziellen Fragebögen ab", erklärte Thorey.

Noch bis 2013 ist die Existenz der Koo-Stelle gesichert, dann läuft die EU-Förderung aus. Die Leiterin ist allerdings zuversichtlich: "20 Koo-Stellen gibt es in Niedersachsen, im Landkreis Soltau-Fallingbostel seit 1998. Das Projekt als solches feiert 2011 bereits sein 20jähriges Bestehen. Zur Zeit läuft die Diskussion, ob die Koo-Stellen über 2013 erhalten bleiben sollen. Wir sind da sehr optimistisch."

Das Seminarprogramm wird in den kommenden Tagen bei der VHS, in Rathäusern, Banken und anderen Stellen ausgelegt. Erreichbar ist die Koo-Stelle, Kleiner Graben 22 a in Walsrode, telefonisch unter (05161) 485621 und per E-Mail unter: koostelle(at)vhs-heidekreis(dot)de. Darüber hinaus gibt es weitere Infos auf der Homepage www.koostelle-heidekreis.de

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