Heide Kurier, 21. Mai 2011 |
SOLTAU (mwi). „Wir möchten alle Kräfte, die im Bereich der Wirtschaftsförderung tätig sind, in Soltau bündeln und aufeinander abstimmen“, meint Erste Kreisrätin Helma Spöring und liefert damit die Begründung für wesentliche Veränderungen bei der Koordinierungsstelle „Frau & Wirtschaft“ (Koo-Stelle). Die nämlich ist von Walsrode in die Böhmestadt umgezogen und nutzt jetzt freie Räume mit separatem Seiteneingang in der Agentur für Arbeit, Feldstraße 7-9. Darüber hinaus ist die Koo-Stelle seit dem 1. April nicht mehr bei der Volkshochschule (VHS) Heidekreis, sondern beim Landkreis Soltau-Fallingbostel angesiedelt.
Die Koordinierungsstelle „Frau & Wirtschaft“ - im Landkreis gibt es sie seit 1998 - hat die Aufgabe, Frauen vor allem auch beim Wiedereinstieg in den Beruf zu unterstützen. Dazu steht ihr eine breite Palette von Maßnahmen zur Verfügung. Gleichzeitig ist die Koo-Stelle eng mit dem Überbetrieblichen Verbund (ÜBV) verknüpft. Im ÜBV haben sich Unternehmen zusammengefunden, die auf familienfreundliche Betriebsstrukturen setzen. Die Fäden laufen dann bei Karin Thorey zusammen: Sie ist Leiterin der Koo-Stelle und gleichzeitig auch Geschäftsstellenleiterin des ÜBV. Zusammen mit ihren Mitarbeiterinnen Sabine Prenzel und Petra Gora (Verwaltung). Seit Thorey diese Position Anfang 2008 übernommen hat, konnte sie die Zahl der ÜBV-Mitgliedsbetriebe von 13 auf heute 112 steigern. Damit liegt die hiesige Koo-Stelle mit Abstand an der Spitze der insgesamt 21 Einrichtungen dieser Art in Niedersachsen.
Als einzige Anlaufstelle im Landkreis für Berufsrückkehrerinnen bieten Thorey und ihr Team ein großes Spektrum an Maßnahmen. So gab es im vergangenen Jahr nicht nur rund 400 Einzelberatungen, 40 Informationsveranstaltungen und Existenzgründungsberatungen, sondern unter anderem auch ein Kooperationsprojekt mit der Lüneburger Leuphana- Universität und verschiedene Veranstaltungen unter dem Motto „Mädchen in MINT-Berufe“ (MINT: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Darüber hinaus haben Koo-Stelle, ÜBV und Agentur für Arbeit 2010 in Soltau die Seniorenmesse „Mitten im Leben“ organisiert. „Eine weitere wird im kommenden Jahr in Walsrode folgen“, kündigt Thorey an.
Womit Frauen, die zurück in den Beruf wollen, besonders zu kämpfen hätten, so die Koo-Stellenleiterin, sei „ihre Schwellenangst vor dem Wiedereinstieg. Sehr viele haben ihr Selbstbewusstsein zwischen Kindern und Küche oder nach der Pflege von Familienangehörigen verloren, zumal man als ungelernt gilt, wenn man mehr als fünf Jahre aus dem Job ’raus ist. Außerdem wird es für sie immer schwieriger, eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu finden. Hier versuchen wir nicht nur, die Frauen fachlich zu unterstützen, sondern auch zu motivieren.“
So gibt es also eine Fülle wichtiger Aktivitäten, was aber die hiesige Koo- Stelle wirklich von anderen unterscheidet und heraushebt, ist ein Gesprächskreis ausländischer Frauen. Dazu Thorey: „Diese Frauen haben gemeinsam, dass sie in ihren Herkunftsländern hohe Qualifikationen erreicht haben und beispielsweise über einen Hochschulabschluss verfügen, was aber bei uns in Deutschland nicht anerkannt wird. Sie müssen deshalb zumeist ihren Lebensunterhalt mit unqualifizierter Arbeit bestreiten. Mit unserem Gesprächskreis, zu dem wir uns alle zwei Monate treffen, versuchen wir, die Frauen zusammenzuführen, damit sie Informationen austauschen, sich untereinander vernetzen und weiterhelfen können.“ Etwa 30 Frauen sind es, die dazu regelmäßig eingeladen werden, etwa zehn kommen pro Treffen.
Dass es natürlich auch Männer in einer solchen Situation gibt, weiß auch Thorey: „Wir haben deshalb in dieser Sache schon Kontakt zu Integrationsberater Christian Wüstenberg aufgenommen.“
Auch in Hinblick auf den Fachkräftemangel sei es „schlimm, was wir uns da leisten“, meint die Erste Kreisrätin. Sie sieht Koo-Stelle und ÜBV als wichtige Instrumente auch im Rahmen der Wirtschaftsförderung: „Die VHS als vorheriger Träger hat hier wichtige Aufbauarbeit geleistet, und die Wirtschaftsförderung des Landkreises hat auch bisher schon mit Koo-Stelle und ÜBV kooperiert. Das möchten wir noch verbessern und jetzt alle Kräfte aufeinander abstimmen. So lassen sich dann Synergien nutzen, beispielsweise bei der Organisierung von Aktionen. Damit wollen wir uns als Landkreis auch rechtzeitig positionieren, um weiterhin von EU-Mitteln profitieren zu können“, so Spöring.
So wird die Koo-Stelle in erster Linie aus solchen Fördertöpfen finanziert, und zwar zunächst nur noch bis 2013: „Es sieht aber gut aus, was eine Förderung auch darüber hinaus betrifft“, betont Thorey.
Wenn denn die Koo-Stelle, wie alle erwarten, auch zukünftig bestehen bleibt, dann sollen die Räume in der Agentur für Arbeit nicht die letzte Station sein, wie Spöring ankündigt: „Wenn das geplante Kreishaus in Soltau fertig ist, wird dort dann auch die Koo-Stelle einziehen.“
Für die Frauen aus dem Landkreis, die sich an Karin Thorey und ihr Team wenden möchten, ändert sich übrigens nichts - außer der Adresse und der Telefonnummer: Erreichbar ist die Koo-Stelle in der Soltauer Feldstraße 7-9, montags bis donnerstags von 8 bis 16 sowie freitags von 8 bis 12 Uhr, Tel. (05191) 9274870, E-Mail koostelle(at)heidekreis(dot)de.
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