Kleiner Heidjer, 29. Januar 2011 |
Soltau (kps). „Wenn man nichts tut, wird man nichts, wenn man etwas unternimmt, kann man Unternehmer werden." Nach diesem Motto handelt Ina Jerate von Bostel {33), eine gelernte Malerin/ Tapeziererin, die es in ihrem Leben nicht leicht hatte. Nach ihrer Hochzeit gab die junge Frau aus Benefeld ihren Beruf auf, nach einigen Jahren scheiterte die Ehe, Frau von Bostel stand mit zwei kleinen Kindern plötzlich allein da und wusste nicht mehr weiter. Doch es gibt eine Organisation im Landkreis, die tätig wird, wenn sich Frauen in der gleichen Situation wie die Alleinerzieherin vor einer ungewissen Zukunft stehen: Die Koordinierungsstelle Frau & Wirtschaft Heidekreis mit ihrer Projektleiterin Karin Thorey an der Spitze. Die Soltauerin hatte kürzlich gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin Sabine Prenzel zu einem Pressegespräch eingeladen, so ziemlich alle Zeitungen des Landkreises berichteten darüber. 31 Veranstaltungen sollen im ersten Halbjahr durchgeführt, Seminare rund um den Beruf abgehalten werde. Dies können Berufsanfängerinnen sein, Frauen, welche sich neu orientieren, fachlich weiterbilden, nach dem Elternjahr wieder in ihren Beruf zurückkehren oder sich selbstständig machen möchten. Die Palette ist groß.
Projektträger ist dabei die Volkshochschule (VHS) Heidekreis, alles hierüber war bereits in der hiesigen Presse zu lesen.
Doch dies reichte uns nicht, wir fragten nach den Erfolgen des Projekts, welches durch das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration sowie aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert wird. Schließlich gibt es etliche Projekte, in die viel Geld fließt - und irgendwie versickert.
Nicht so bei der Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft Heidekreis. Ein Beispiel dafür: Ina Jerate von Bostel.
„Ich war ganz unten, wusste weder ein noch aus", so Frau von Bostel zum Kleinen Heidjer. Durch Bekannte wurde sie auf die Koordinierungsstelle aufmerksam. Sie nahm an einem Existenzgründerseminar teil, es folgten Einzelgespräche, wie sie eine eigene Firma aufbauen könne, sie erhielt psychologische Hilfe. Und dann war der Punkt erreicht, an dem Frau von Bostel zu sich selbst sagte: „Das schaffe ich."
Gesagt, getan, die Malerin/ Tapeziererin machte sich selbstständig, nun nennt sie eine kleine Raumausstattungs-Firma ihr Eigen. Aufträge erhielt sie zunächst aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, doch „Mund zu Mund-Propaganda" sorgte dafür, dass sie jetzt ihr eigenes Geld verdient. Noch aber gibt es für sie keine 40-Stunden Woche, ihre Kinder möchten auch ihr Recht, doch der Anfang ist gemacht. „Sie sind jetzt acht und elf Jahre alt, bald bin ich aus dem Gröbsten raus, dann kann ich mich voll auf den Beruf konzentrieren", gibt sich Ina Jerate von Bostel kämpferisch. „Man muss etwas nur wollen, auf dem Sofa liegen und sich bedauern lassen, bringt niemanden weiter."
Projektleiterin Karin Thorey ist stolz auf ihren Schützling. „Ina hat einen starken Willen und weiß auch andere mitzureißen. Sie hat mich schon zur BBS Soltau begleitet und mich bei Vorträgen in Sachen Berufsvorbereitung unterstützt. Ich bin sicher, sie wird ihren Weg erfolgreich weitergehen."
Wer sich aus der Damenwelt angesprochen fühlt: Die Koordinierungsstelle Frau & Wirtschaft Heidekreis findet man in Walsrode, Kleiner Graben 22 a, Tel. 05161-485621.
Zurück