Walsroder Zeitung, 14. April 2010 |
Karin Thorey belässt es nicht beim Sprichwort, dass keiner allwissend sein kann. Sie unternimmt alle erdenklichen Anstrengungen, um zwar nicht Allwissenheit zu erlangen, sehr wohl aber Wissenslücken zu schließen - bei der Beurteilung bestimmter Bedingungen im Umfeld, aber auch bei sich selbst. Die Soltauerin, die seit 2008 die Koordinierungsstelle Frau & Wirtschaft im Heidekreis und die Geschäftsstelle des Überbetrieblichen Verbundes Familie & Beruf e. V. leitet, hat in einem ihrer besonderen Interessengebiete in den zurückliegenden Monaten viel dazu gelernt. Bestätigung dieses neuen Wissens durch viel Lernen sind das Zertifikat der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Freiburg als Wirtschaftsförderin und ihre Studienarbeit über Zukunftsperspektiven für den Wirtschaftsstandort Soltau-Fallingbostel.
Walsrode (es). Mit Unternehmen ist Karin Thorey täglich im Gespräch. Das fordert der Überbetriebliche Verbund, dem inzwischen 72 Mitglieder angehören. Als die Soltauerin die Aufgabe übernahm, waren es gerade mal 13. „Ich fühle mich besser im Gespräch mit den Leuten, wenn ich fundiertes Wissen vorweisen kann“, sagt sie. Da kam die Information über den Studiengang Wirtschaftsförderin an der Akademie in Freiburg im Breisgau gerade richtig. Jeweils 100 Stunden absolvierte sie im November und zum Jahresanfang dort, ehe sie nun ihr Zertifikat mit der Ernennung zur Wirtschaftsförderin entgegen nehmen konnte.
Mindestens genauso wichtig waren aus ihrer Sicht die Erkenntnisse, die sie im Rahmen ihrer Studienarbeit erhielt. „Ausgewählte Handlungsstrategien zur Standortsicherung durch familienorientierte Personalpolitik“, wählte sie als Untertitel zu ihrer Untersuchung über die Zukunftsperspektiven für den Landkreis Soltau-Fallingbostel als Wirtschaftsstandort.
„Hier sind viele Sachen toll. Aber interessant für den Landkreis ist auch, was links und rechts von uns ist“, so Karin Thorey. Die vorhandenen neun Autobahnabfahrten an den Hauptverkehrsadern A7 und A27 würden nicht automatisch zur positiven Entwicklung beitragen. „Man muss den Leuten auch einen Grund geben, bei uns von der Autobahn runterzufahren und nicht in Verden oder der Wedemark“, sagt die frischgebackene Wirtschaftsförderin. Die größte wirtschaftliche Stärke weist der Landkreis Soltau-Fallingbostel im Tourismus auf. Diese Erkenntnis in ihrer Studienarbeit ist nicht neu. Neu könnte für den einen oder anderen „Experten“ oder Kreistagspolitiker allerdings sein, dass der Nachbarlandkreis Rotenburg mit niedrigeren Arbeitskosten und einer günstigeren demografischen Entwicklung gegenüber Soltau-Fallingbostel genauso besser abschneidet wie der Landkreis Verden im Hinblick auf eine bessere Arbeitsplatzversorgung, höhere Kaufkraft und höhere gemeindliche Steuerkraft. „Daraus folgt, dass sich der Landkreis Soltau-Fallingbostel anders positionieren muss als bisher“, hat Karin Thorey in der Zusammenfassung ihrer interessanten Arbeit herausgestellt.
Karin Thorey lenkt den Blick mehr auf die sogenannten „weichen Standortfaktoren“. Dazu gehöre ganz vorne die Wohnqualität. „Die Leute zählen nicht nur die Häuser. Sie schauen auch nach dem Schulangebot und nach dem Kindertagesstättenangebot. Da schneiden alle drei Landkreise schlecht ab“, so Thorey.
Eine Verbesserung des Faktors Wohnen und Wohnumfeld durch eine flexible Wirtschaftsförderung mit familienorientierten Maßnahmen sei gefordert. „Wir müssen einen Wirtschaftsstandort anbieten, der Lebensqualität verspricht“, steht es in der Studienarbeit. Nur so sei es möglich, vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräfte- und Ingenieurmangels qualifizierte Arbeitskräfte in der Region zu halten oder neu zu binden. Mit einem professionellen Standortmarketing müsse das Image für den Landkreis als „Wirtschaftsstandort mit Lebensqualität“ intern und extern vor allem aber einheitlich kommuniziert werden. Karin Thorey will ihren Teil über die Koordinierungsstelle, vor allem aber auch den Überbetrieblichen Verbund dazu beitragen.
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