Walsroder Zeitung, 20. August 2011 |
Natürlich habe sie Angst vor dem Schritt in die Selbstständigkeit gehabt, gibt Ina Jerate-von Bostel heute zu. Eineinhalb Jahre "Anlaufzeit" benötigte sie. "Ich wollte auch Vorbild für meine Kinder sein, nicht dauerhaft für 250 Euro im Monat putzen gehen", erinnert sich die junge Frau an die jüngste Vergangenheit zurück. Heute läuft das Geschäft der selbstständigen Raumgestalterin, und auch das private Leben hat wieder klare Konturen. Ina Jerate-von Bostel ist sicher, dass sie es ohne die Hilfestellung der Koordinierungsstelle Frau & Wirtschaft im Heidekreis nicht so weit geschafft hätte.
Walsrode (es). Karin Thorey und Sabine Prenzel haben beim Pressegespräch im "Forellenhof" die ersten Exemplare des neuen Programmheftes für das zweite Halbjahr 2011 im Gepäck. Ab nächster Woche wird alles rund um die "Weiterbildung für Frauen in der Arbeitswelt" dann in Geldinstituten, Arztpraxen, Buchhandlungen oder direkt bei der Beratungsstelle in Soltau, Feldstr. 7-9, in gedruckter Form erhältlich sein.
Die 34 Seminare und acht Vorträge richten sich speziell an Frauen, die in den Beruf zurück möchten. Für sie gibt es Beratungsgespräche, aber auch gezielte Maßnahmen, die den Wiedereinstieg ins Berufsleben nach der Familienphase erleichtern. Die Teilnahme an den Angeboten der Koordinierungsstelle erfordert von den Frauen nicht nur Eigeninitiative, sondern auch finanzielles Engagement. Wer Arbeitslosengeld gezieht, kommt nicht in den Genuss einer Seminarförderung. Die Förderung (höchsten 100 Euro pro Seminar, maximal 200 Euro pro Jahr) gilt für Berufsrückkehrerinnen, Elternzeitnehmende, Frauen mit einem Mini- oder Midijob (bis 800 Euro brutto) und Mitarbeiterinnen aus dem Überbetrieblichen Verbund Familie und Beruf, dem mittlerweile 121 Unternehmen und Behörden der Region angehören.
Ein Schwerpunkt des neuen Programms liegt beim Thema Existenzgründung. Sechs Vorträge sind vorgesehen, wobei es auch eine enge Zusammenarbeit mit dem "Unternehmerinnen-Netz Heidekreis" gibt. Einmal im Monat lädt das "U-Netz" zu Informationsabenden ins Gasthaus Meyer nach Jettebruch ein (Infos: www.u-netz-heidekreis.de). Dabei spielt der Erfahrungsaustausch der Unternehmerinnen untereinander, aber auch mit interessierten Existenzgründerinnen eine wichtige Rolle, wie die U-Netz-Vorsitzende, Natascha Fabian, betont.
Carmen Monica Warnke hat in Ihrer Heimat Peru Bautechnik studiert. Sie lebt in Wietzendorf, ist verheiratet und Mutter von vier Kindern (acht bis zwölf Jahre). "Alle reden immer von der Vereinbarkeit von Frau und Beruf, aber wo erfährt man wirklich etwas Fundiertes darüber?", weist sie auf ein Problem hin, aus dem ihr die Koordinierungsstelle geholfen hat. Inzwischen ist sie Geschäftsführerin ihres eigenen Ingenieurbüros für LED-Lichttechnik, Windenergieanlagen und Solar. Sie arbeitet vom Schreibtisch von zu Hause aus. Das ermöglicht das schnelle Eingreifen bei Unterrichtsausfällen und damit verbundenen Transportproblemen der Kinder.
Für Ina Jerate-von Bostel war das Angebot der Ganztagsschule an der Grundschule in Benefeld als Alleinerziehende mit zwei Kindern ausschlaggebend für die Wohnortwahl. Maler und Lackiererin hat sie gelernt, bei Vorstellungsgespächen mit Hinweis auf die kleinen Kinder aber nur Absagen bekommen. Um finanziell über die Runden zu kommen, nahm sie eine Putzstelle an. "Aber ich wollte nicht immer wieterputzen gehen." Erst waren es kleine Malerarbeiten im Bekannten- und Verwandtenkreis, daraus wuchs der Gedanke, sich selbstständig zu machen.
Doch wer nur einen Minijob hat, kann keine Ersparnisse anhäufen, um davon den Start in die Selbstständigkeit zu ermöglichen. Dafür hatte sie zu wenig Geld.
Um einen Existenzgründerkredit von der NBank zu bekommen, waren ihre Wünsche nicht hoch genug. Unter 33.000 Euro gebe es von dort keine Kredite. "Das ist für viele Frauen dann die Bremse. Sie wollen sich einfach nicht so hoch verschulden. Frauen gründen anders", fasst es Natascha Fabian zusammen. Geld von heimischen Geldinstituten gebe es in solchen Situationen auch nicht. Das sei Fakt, nicht einmal ein regionales Problem der Geldinstitute hier im Heidekreis.
50 bis 60 Beratungen zur Selbstständigkeit finden jährlich in der Koordinierungsstelle statt. Wie viele Existenzgründungen daraus hervorgehen, wissen Karin Thorey und Sabine Prenzel nicht, weil die Frauen sich nicht zurückmelden müssen. "Das ist meistens ein ganz vorsichtiges Herantasten", beschreibt Sabine Prenzel die Verhaltensweise vieler Frauen.
Der Besuch der Existenzgründerseminare sei ganz wichtig, "Dort wird aus der Praxis berichtet. Es wird keine heile Welt vermittelt", unterstreicht die Mitarbeiterin der Koordinierungsstelle Frau & Wirtschaft im Heidekreis.
Weitere Informationen unter: www.verbund-familie-und-beruf.de
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