Walsroder Zeitung, 9. November 2009

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4. Existenzgründertag im Landkreis Soltau-Fallingbostel: der mutige Weg zur Selbständigkeit

 

Manche Menschen müssten vor sich selbst geschützt werden – auch das wurde am Rande des 4. Existenzgründertags in Soltau gesagt. Schließlich ist nicht jeder ein Unternehmertyp, und nicht jeder Geschäftsidee ist realistisch. Der Grundtenor der Veranstaltung am vergangenen Samstag war jedoch ein anderer: Die Existenzgründung ist eine echte Alternative zum Angestelltendasein – wenn der Schritt gut vorbereitet wird.

 

Soltau (jn) Egal ob Online-Plattform für Tierfreunde, Fliesenleger oder Ayurveda-Studio: „Ein fundierter Businessplan ist das A und O“, da waren sich am Samstagmorgen alle Experten beim 4. Existenzgründertag einig. Eine gute Idee allein reicht eben nicht: Auch die schrittweise Umsetzung, Präsentation und mögliche Schwierigkeiten müssen durchdacht werden.

Seminare helfen dabei: “Die zeigen dann schnell die Lücken auf“, weiß Birgitt du Bois, beim Landkreis Soltau-Fallingbostel für Wirtschaftsförderung und Existenzgründung zuständig. In der Gründungswertstatt Soltau-Fallingbostel beispielsweise, die seit zwei Jahren Existenzgründer 16 Wochen lang betreut und vorbereitet, werden auch viel Wert auf Präsentation, Marketing, und Vertrieb gelegt.

„Bei vielen fachlich kompetenten Handwerkern sind die betriebswirtschaftlichen Aspekte oft der Knackpunkt“, weiß Birgitt du Bois.

Das kann der 47-jährige angestellte Dachdecker, der sich an diesem Morgen an den Ständen informiert, nur bestätigen: Er möchte sich in seiner Branche selbstständig machen „aber das Betriebswirtschaftliche ist nicht so mein Ding“, gibt er zu. Ob er dafür bald Seminare in Anspruch nimmt, steht für ihn noch nicht fest: Er sammelt erst einmal alle Möglichkeiten. Sein Antrieb: „Ich möchte die Freiheit haben, selbständig zu entscheiden.“ Dass er als eigener Herr auch mehr arbeiten muss, möchte er in Kauf nehmen. Für ihn ist die Selbständigkeit eine frei gewählte Alternative, kein Notnagel.

Das ist nicht bei allen Existenzgründern so: Auch wenn laut Wirtschaftsförderer
Hans-Jürgen Stegen, Landkreis Soltau-Fallingbostel, 70 Prozent der betreuten Existenzgründungen in den ersten zwei Jahren auch erfolgreich verlaufen. Manche erkennen im Rahmen der Förder-Seminare auch, dass der Schritt sie überfordert – oder dass sie mit dem erworbenen Wissen einfacher zurück in eine Festanstellung kommen, weiß Marion Putensen von der Gründungswerkstatt.

Ein großer Teil der rund 150 Existenzgründer im Kreisgebiet setzt übrigens auf Dienstleistungen und Handel. Aber gerade für Frauen hat Karin Thorey (Koordinierungsstelle Frau & Wirtschaft) eine besondere Chance ausgemacht: „ Der pflegerische Bereich und die Seniorenwirtschaft ist die Perspektive von morgen.“ Dort sei noch genügend Raum für Existenzgründer. Ein anderer Trend hingegen entwickelt sich gerade zurück: Internethandel und ebay-Shops schießen nicht mehr wie Pilze aus dem Boden.

 

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